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Vorbilder voller Schönheit und Überraschungen

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Die Meisterhäuser in Dessau sind Ikonen der deutschen Architektur. Hier haben die Meister des Bauhauses, allen voran Walter Gropius, ihr Verständnis vom Bauen und Wohnen manifestiert. Ein Besuch lohnt unbedingt, erst recht seitdem das Ensemble mit den Neuen Meisterhäusern wieder komplett rekonstruiert ist.

Bauhaus – ein Name wie Donnerhall. Seit der Jahrtausendwende hat sich das von Walter Gropius begründete „Neue Bauen“ zum einflussreichsten Architekturstil unserer Zeit entwickelt; nur wenige Jahre vor dem 100. Geburtstag der Kunstschule im Jahr 2019. Kein Haushersteller, der etwas auf sich hält, verzichtet auf ein Modell, das sich irgendwie aufs Bauhaus bezieht. Was viele Jahre als Avantgarde galt, ist heute der Klassiker der deutschen Architektur.

Und dann kommt man nach Dessau in die Ebertallee 69 bis 71 – und wundert sich erst mal. Denn die Häuser, die hier stehen, haben nur wenig zu tun mit den weißen Einheitskisten, die sonst häufig als „Bauhaus“ angepriesen werden. Nach kurzer Verwunderung kommt die Freude: über ein so variantenreiches Spiel an Formen, den souveränen und fantasievollen Umgang mit dem rechten Winkel. Ja, die Häuser, die hier stehen, tragen ihren Namen zu Recht – es sind „die Meisterhäuser“. Hier haben die Meister des Bauhauses gewohnt, die Lehrer Walter Gropius, Lionel Feininger, Georg Muche, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Schlemmer und László Moholy-Nagy.

1926 konnten sie einziehen, 1932 war nach dem Sieg der Nationalsozialisten bei den Gemeinderatswahlen in Dessau schon wieder Schluss. Das Bauhaus wurde aufgelöst, es galt als „entartet“, viele Lehrer emigrierten, die Häuser wurden umgestaltet, zwei im März 1945 bei einem Bombenangriff zerstört, darunter das Haus von Gropius. Seit 1990 aber wurde das Ensemble Stück für Stück restauriert und, so weit er rekonstruierbar war, in den Originalzustand versetzt.

Und der überrascht. Denn wenn „Bauhaus“ heute meist weiß, grau und ein wenig trist aussieht, dann sind die Meisterhäuser von innen vor allem eines – bunt. „Meine Lieblingsfarbe ist bunt“, sagte Gropius einmal. Im Klee-Kandinsky-Haus, berichtet der Restaurator, fand er mehr als 160 verschiedene Farben. Ein echter Blickfang auch das Schlafzimmer von Georg Muche. Marcel Breuer, berühmt für seine Stuhlentwürfe, hatte es gestaltet. Breuer war überzeugt, schrieb Muche, Schwarz sei die optimale Farbe für ein Schlafzimmer. Muche bekam aber, wenig überraschend, Albträume und betrat nach eigener Aussage das Zimmer nie wieder.

Was ist das Bauhaus heute? Ein spannender Beitrag zu dieser Debatte ist seit 2014 vor Ort in der Dessauer Ebertallee zu besichtigen: die Neuen Meisterhäuser. Sie sind eine Rekonstruktion der Häuser von Gropius und Moholy-Nagy. Es hatte erregte Debatten um diese Neuen Meisterhäuser gegeben – wie es in Deutschland üblich ist, wenn zerstörte Ikonen der Architektur wieder aufgebaut werden sollen (man denke nur an das Berliner Stadtschloss). In Dessau nun also keine originalgetreue Rekonstruktion, sondern eine Neuinterpretation. In ihren äußeren Abmessungen und der Anordnung der Baukörper entsprechen die Neuen Meisterhäuser, vom Berliner Büro Bruno Fioretti Marquez entworfen, exakt den alten – aber die Fensterflächen verwehren den Einblick, der gegossene Beton wurde nicht gestrichen. Fast ein wenig unwirklich, unfertig wirken diese Raumskulpturen. Vom „Prinzip der Unschärfe“ sprechen die Architekten.

Und so sind diese Rekonstruktionen 90 Jahre nach der Fertigstellung ihrer Vorbilder wieder das, was die Originale in ihrer Zeit waren – eine echte Herausforderung.

Das Neue Meisterhaus Gropius in der Ebertallee von Dessau. Es wurde vom Berliner Büro Bruno Fioretti Marquez Architekten entworfen und gebaut. Das Neue Meisterhaus Gropius entspricht in seiner Form und den Abmessungen exakt dem historischen Vorbild, das 1945 zerstört wurde. Das neue Meisterhaus Moholy-Nagy. Die Fenster haben dieselben Abmessungen wie das Original, verwehren aber Einblicke. Die Architekten nennen ihre Art der Rekonstruktion „Prinzip der Unschärfe“. Innen wirken die Neuen Meisterhäuser – hier das Haus Moholy-Nagy – eher wie Raumskulpturen. Der Künstler Olaf Nicolai hat die Wandarbeiten gestaltet.
Erstellt am 30.03.2016 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 1894 mal gelesen
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