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Bier aus Franken: Einzigartige Vielfalt zwischen Tradition und Moderne

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Die Vielfalt der fränkischen Brauereilandschaft lebt! In Franken gibt es eine weltweit wohl einzigartige Dichte an Brauereien jeglicher Couleur , die Gerstensaft in verschiedensten Geschmacksnuancen produzieren – natürlich streng nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516.

 

Im Roman „Kolks blonde Bräute“, dem ersten Teil der preisgekrönten und vor allem absolut lesenswerten Hagener Trilogie von Frank Schulz räsoniert der Erzähler über die mindestens perfektionistische Biertrinkkultur der Hauptfigur Kolk. Jener Kolk vertritt unter anderem die Ansicht, Bier müsse „zügig getrunken werden“, damit es nicht „schal und fahl“ werde und an „Uhrienprohbm“ [sic!] gemahne. Die Folge: Kolk wird öfter und schwerer betrunken, als er es eigentlich vorhat. Wer in Franken irgendwie aufgewachsen ist, hat das Problem schnell analysiert: Die Geschichte spielt in Hamburg und Niedersachen. Für jeden fränkischen Bier-Patrioten – und ein solcher wurde man als Franke wenigstens bis vor etwa 20 Jahren quasi qua Geburt – ist sofort und selbstverständlich klar, dass dieses gelbflüssige Etwas, das im Norden unserer Republik Bier genannt wird, logischerweise nur und ausschließlich entsprechend gekühlt getrunken kann, weil andernfalls sein Mangel an jeglichen Qualitäten, die in Franken mit Bier verbunden werden, offenbar würde. Mit anderen Worten: Kolks tragische Trinkgewohnheiten erscheinen dem gemeinen Franken – wenn auch vielleicht nicht im Sinne des Erzählers – absolut nachvollziehbar. Er würde norddeutsches „Bier“ gleichfalls so schnell wie möglich, mit Todesverachtung sozusagen, hinunterstürzen – und das auch nur, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt.

 

Klar, die Geschmäcker sind verschieden. Und so ist nicht auszuschließen, dass es durchaus Zeitgenossinnen und –genossen geben möge, die in beziehungsweise trotz Kenntnis verschiedener Erzeugnisse fränkischer Braukunst tatsächlich lieber Jever, Beck’s oder (wenigstens) Astra trinken. Unbestreitbar ist jedenfalls, dass es in Franken eine weltweit wohl einzigartige Dichte an Brauereien jeglicher Couleur gibt, die Gerstensaft in verschiedensten Geschmacksnuancen produzieren – natürlich streng nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516, wonach Bier nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser enthalten soll. Aktuell gibt es in Franken noch etwa 267 Brauereien.

 

Alleine in Oberfranken, dem Zentrum dieses Bier-Eldorados, werden um die 1 000 verschiedene Biere gebraut. Dazu gehören natürliches Helles, Pils und Dunkles, aber auch Besonderheiten wie das Schlenkerla Rauchbier aus Bamberg, das kräftig nach Räucherschinken schmeckt und wenigstens geschmacklich die „feste“ Brotzeit als Beilage überflüssig macht. Dazu gibt es unter anderem die unfiltrierten und ungespundeten Zwickelbiere, beispielsweise von der Bayreuther Bierbrauerei, oder diverse Saison- und Festbiere, die nur zu besonderen Anlässen gebraut werden.

 

So wie die Biere sind auch die fränkischen Brauereien höchst vielfältig. Neben vielen mittelständischen Unternehmen existieren bis heute noch Klein- und Kleinstbetriebe, bis hin zu Kommun- oder Gasthausbrauereien. Letztere schenken ihr Bier nicht selten am geöffneten Fenster in von den Kunden mitgebrachte Behältnisse aus. Einzigartig und gleichzeitig symptomatisch für die fränkische Bierkultur ist auch das kleine Dorf Aufseß in der Fränkischen Schweiz. Dort kommen mit den legendären Brauereien Kathi Bräu, Stadter, Reichold und Rothenbach sage und schreibe vier Gerstensafthersteller auf rund 1500 Einwohner. Das ist, verifiziert mit Eintrag im Guinness Buch der Rekorde, die höchste Brauereidichte der Welt.

 

Das Gros der fränkischen Brauhäuser hat eine lange Tradition. Das älteste noch existierende ist die seit 1100 bestehende Klosterbrauerei Weißenohe im oberfränkischen Landkreis Forchheim. Nur 35 Jahre später nahm die Brauerei Wurm im mittelfränkischen Bieswang ihren Betrieb auf. Aber Brauen in Franken ist nicht nur althergebracht. Es gibt auch junge Unternehmen, die mit hochwertigen Bieren brillieren und schnell zu wenigstens regionalen Institutionen geworden sind. Ein Beispiel ist die 2006 gegründete Schanzenbräu im Nürnberger Szeneviertel Gostenhof, die sich mit süffig-würzigen Bieren auch bei jungen Hipstern schnell etabliert hat.

 

Die Vielfalt der fränkischen Brauereilandschaft lebt! – Trotz Alkopops, Komasaufen einerseits und rückläufigem Bierkonsum andererseits. Das ist der hohen Qualität der Biere geschuldet, die jenseits aller Trends die Genießer anspricht. Verantwortlich für diese Erfolgsgeschichte dürfte aber auch eine weitere fränkische Grundeigenschaft zeichnen: eine Mischung aus Sturheit, Renitenz und manchmal überraschender Kreativität, die sonst wohl nur noch in einem gallischen Dorf zu finden ist.

 

Bildquelle: Bierland Oberfranken e.V.

Das Fässla – Bamberger Bier seit 1649 Kathi Bräu in der Fränkischen Schweiz Fränkisches Wirtshaus Frisch gezapftes Bier schmeckt am besten. Schlenkerla Dominikanerklause
Erstellt am 26.06.2014 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 2086 mal gelesen
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