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Blaudruck – Handwerk in uralter Tradition

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„Jemanden grün und blau schlagen“, „sein blaues Wunder erleben“ oder einfach nur „blaumachen“ – wer kennt sie nicht, diese Redewendungen. Doch kaum bekannt ist, dass sie von einer uralten Handwerkstradition, dem sogenannten „Blaudruck“ stammen.

Eigentlich müsste es „Blaufärben“ heißen, denn es wird gefärbt und nicht gedruckt. Der Blaudruck wird beispielsweise bei der Herstellung von Dirndl, Trachten und ländlichen Heimtextilien verwendet. Bei diesen Stoffen denkt man sofort an Heimatverbundenheit und Tradition. Die in der Grundfarbe Blau gehaltenen Tischdecken, Kleider oder Vorhänge mit den kleinen, regelmäßigen Mustern, sind meist im Blaudruckverfahren gefärbt – häufig sogar in Handarbeit, was sie so wertvoll macht. Eine Handvoll Menschen gibt es im deutschsprachigen Raum noch, die dieses Handwerk gelernt haben, die sich der Bewahrung einer wunderschönen, alten, künstlerischen Tradition verschrieben haben.

Historisch gesehen hat das Bedrucken von Stoffen seine Wurzeln in Indien. Ein Land, das seit jeher genügend Rohstoffe für die Stoffproduktion und zum Färben zur Verfügung hatte: Baumwolle und Indigo. Von dort aus verbreitete sich die Technik in andere Länder und kam so auch nach Europa, allerdings gibt es erst ab dem 15. Jahrhundert schriftliche Hinweise darauf. In unseren Breiten wurden regional hergestellte Stoffe, also in erster Linie Leinen, gefärbt.

Im 18. Jahrhundert erlebte der Blaudruck seine Blütezeit. Die kostbar bedruckten Stoffe waren sehr geschätzt, und die Einführung des Indigos in Europa machte den Blaudruck zu etwas Exquisitem, das sich nur die Oberschicht leisten konnte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verebbte das Handwerk allmählich, nur noch wenige Betriebe überlebten.

Die Herstellung ähnelt der Batik-Technik: Auf Modeln (in Handwerk hergestellten Holz-Mustern) wird der sogenannte „Papp“ aufgetragen, eine wasserunlösliche Substanz. Und in diesem „Papp“ liegt das Geheimnis des Blaudrucks: Die Zusammensetzung wird wie ein Schatz gehütet und von Generation zu Generation weitergegeben. Der Papp wird auf den Stoff in Handarbeit aufgetragen, dann wird er zum eigentlichen Färben in das Indigo eingelassen und an der Luft getrocknet, wo sich der Farbton vom Grün zum Blau verändert („grün und blau schlagen“). Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt, bis die gewünschte Farbintensität erreicht wird.

Bekannteste Muster im Blaudruck sind kleine Blümchen, Karo, Punkte oder sonstige Klein-Dekore – hier sind den Künstlern keine Grenzen gesetzt. Der Kunde wählt aus dem Sortiment und bekommt nach einiger Zeit wunderschön bedruckte Dirndlkleider, Tischdecken, Vorhänge oder Kissen, aber auch moderne Textilien wie Shirts oder Mäntel.

 

Ein schönes Beispiel von Blaudruck aus der Dirndl-Mode. Die vorbereiteten Muster auf den Modeln werden auf den Stoff übertragen. Die vorbereiteten Muster auf den Modeln werden auf den Stoff übertragen. Fertiges Beispiel eines im Blaudruckverfahren gefärbten Kissens.
Erstellt am 18.05.2016 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 1875 mal gelesen
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