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Das Comeback der Glaskunst

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Man wohnt jetzt wieder mit Glas: Trinkgläser, Vasen, Leuchten… sind im Trend — gerne auch in Bunt! Und das Schönste dabei: Sie werden immer öfter handgemacht.    

Die steile Karriere des Produktdesigners Sebastian Herkner begann vor einigen Jahren mit einem gläsernen Couchtisch. Damals war das eine kleine Revolution: Denn Glas galt als „out“, man wohnte nur noch ungerne mit gläsernen Möbelstücken. Moderne Glaswaren kamen aus dem Irgendwo, maschinell gefertigt und möglichst unauffällig geformt. Glasbläserei, das kannte man höchstens noch aus dem Museumsdorf. Doch nun ist die Handwerkskunst wieder zurück!

Alte Kunst, neue Gesichter
Die Glasbläserei feiert, wie viele andere traditionelle Handwerksmethoden, eine Renaissance. Doch keine Sorge: Nach Gestern sieht das neue Glasdesign gar nicht aus. Man sieht stattdessen humorvolle Karaffen (wie „Mr. & Mrs. Night“ von Nude Glass), auf Beinen stehende Vasen (wie „Echasse“ von Menu) oder poetische Kunstobjekte (wie von Alexa Lixfeld). Kurz gesagt: Neue Formen, Farben und Details zeichnen die moderne Glaskunst aus. Denn alte Hasen treffen in den Glasbläsereien auf junge Wilde — und schärfen gemeinsam das Phänomen Glas. Einer dieser neuen Gesichter ist beispielweise der Österreicher Robert Comploj: Mitten in Wien liegt sein offen begehbares Atelier mit angrenzender Galerie – so dass seine Objekte und Kunstinstallationen erfahrbar werden. „Die Leute suchen schließlich immer mehr eine Geschichte und wollen nicht einfach nur irgendein neues Produkt“ sagt Robert Comploj.

Ein Trend, der Tradition rettet
Eine gute Geschichte bekommt man auch mit der Glaskollektion von Imperfect Design: Denn die schlanken Trinkgläser, praktischen Vorratsgläser und grafischen Glasleuchter des niederländischen Labels haben einen sozialen Hintergrund. Sie werden in den Niederlanden beispielweise von dem gefeierten Gestalter-Duo Niels van Eijk & Miriam van der Lubbe entworfen und dann in einer Werkstätte in Guatemala von dort ansässigen Artesanos mundgeblasen. So kann die neu entfachte Glasliebe, Existenzen, ja sogar ein Handwerk vor dem Aussterben retten.

Wo die Zukunft beginnt
Doch auch in Deutschland ist das Handwerk der Glasbläserei ein bedrohtes Fach. Vor allem der Nachwuchs fehlt. Karina Wendt ist da eine Ausnahme: Die junge Produktdesignerin entschied sich noch während ihres Studiums für Glas und hat jetzt ein eigenes Studio im Museumsdorf Baruth in Brandenburg. Hier auf dem Land, im Dunstkreis Berlins, stellt sie ihre Kleinstserien in traditioneller Handarbeit her. Ihre Objekte werden mundgeblasen — von ihr und von erfahrenen Glasbläsern. Karina Wendt steht dann bei jedem noch so kleinen Arbeitsschritt neben dem Meister: Um zu lernen; und „weil es einfach ein magischer Moment ist, wenn man am brodelnden Ofen steht und versucht diese zähflüssige Masse zu zähmen“ sagt sie.

Eine Leidenschaft mit Ansteckungsgefahr
Der deutsche Designstar Sebastian Herkner designt übrigens noch immer extrem gerne Glasmöbel und –Accessoires. Für die „Tricolore“-Vasen, die er kürzlich für den Hersteller &tradition entwarf, musste Herkner die Wandstärken der Gläser und ihre Maße perfekt austarieren, um die gewünschten Farbnuancen zu erhalten. Eine Herausforderung, die er begeistert annahm. „Glas ist einfach so ein besonderes Material, zum einen transparent und zerbrechlich, zum anderen bekommt es durch Farben etwas Geheimnisvolles.“ Man merkt, der Mann ist verliebt. Er und die moderne Generation der Glaskünstler stecken uns mit dieser Begeisterung an.

 

Ein Artikel von Janina Temmen

Erstellt am 10.01.2018 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 161 mal gelesen
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