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Mensch und Natur Gutes tun und trotzdem nicht auf modernes Design verzichten — was für viele Unternehmen mittlerweile dazu gehört, tragen immer mehr Wohn- und Designobjekte jetzt stolz zur Schau

Eigentlich wären die wuscheligen Wollschnüre auf dem Müll gelandet — jetzt legt sie Lara Wernert auf dem Boden zu einem kunstvollen Gebilde zusammen, das einmal ein Teppichunikat der 13rugs-Kollektion wird. Die Idee, Textilreste zu etwas Neuem zu verarbeiten, hatte die junge Berliner Designerin Lara Wernert in ihrem Studium. Doch mit dem „Upcycling Trend“ möchte sie trotzdem nicht wirklich assoziiert werden: „Unsere Teppiche sind alles andere als ökig!“ sagt sie. Etwas Gutes für die Umwelt oder die Menschen tun und trotzdem höchsten ästhetischen Ansprüchen gerecht werden, das tun jetzt immer mehr Designobjekte und -Firmen.

Diese Entwicklung ist auch Leuten wie Monique Thoonen zu verdanken: Die Niederländerin hat vor einigen Jahren das Label Imperfect Design gegründet. „Die Idee war diese…“ erzählt Thoonen: „Es gibt in Entwicklungsländern so viele kleine und mittlere Länder, die wundervolles Handwerk herstellen — aber ihre Entwürfe passen oft nicht zu dem Stil und den Ansprüchen des Westens. Doch hier liegt das Geld. Warum also nicht beide Welten miteinander verbinden?!“ Monique Thoonen ist diese Fusion geglückt: Ihr Label Imperfect Design läuft gut, die Kollektion bestehend aus Keramikvasen, Geschirr, Glaswaren und kleinen Möbelstücken wird in den hippsten Designstores Amsterdams und darüber hinaus verkauft.

Nachhaltige Wege
Der Markt für Design mit einem sozialen Hintergrund und Dinge, die einen positiven Beitrag leisten wollen bei dem Umgang mit Ressourcen, boomt. So sehr, dass sogar Massenanbieter Ikea jetzt die Küchenserie „Kungsbacka“ lancierte, für deren Fronten recycelte PET-Flaschen verarbeitet werden. „Jedes Jahr werden weltweit Milliarden von PET-Flaschen weggeschmissen“ erklärt Ulf Wenzig, Nachhaltigkeitsmanager bei Ikea Deutschland. Allein 25 Halbliter-PET- Flaschen werden nun wiederverwendet, um daraus Folie für die Oberfläche einer 40 × 80 cm großen „Kungsbacka“-Küchenfront zu gewinnen. „Was wir unternehmen, hat große Auswirkungen auf die Umwelt, da Ikea mit großen Mengen arbeitet“ sagt Wenzig stolz. Ikea steht natürlich nicht allein da, mit seiner Ausrichtung auf Nachhaltigkeit. Einen konsequenten Weg geht hier auch die Firma Hamberger Flooring aus Rosenheim. Neben der klassischen Holzverarbeitung wird ein großer Wert auf die Entwicklung wohngesunder Designböden gelegt – frei von Weichmachern und PVC. Und die Holzabfälle aus der Produktion werden konsequent im eigenen Biomassekraftwerk zur Energie-Erzeugung genutzt.

Eine große Bühne für PET
Nicht Holz-, sondern Plastikmüll benutzt Alvaro Catalán de Ocón in seiner Arbeit: Er stellt fröhlich-bunte, an Hüte erinnernden Leuchten aus recycelten PET-Flaschen her. Dass der Designer aus Madrid sie zum ersten Mal vor vier Jahren während der weltweit wichtigsten Möbelmesse Salone del Mobile bei der Design-Koriphäre Rossana Orlandi zeigen durfte, war einfach nur Glück. Sie fand, es sei ein spannendes Projekt und eine gute Antwort auf das bestehende Plastik-Problem und gab dem jungen Alvaro ein Ausstellungsfleckchen. Als sich dann die Design-Crowd unter seinen Leuchten in Rossanas’ Innenhof zum Austausch traf, waren die „PET-Lamps“ schnell in aller Munde. Seitdem hängen sie jährlich dort und außerdem in den angesagtesten Restaurants, hippen Hotels und Privatwohnungen auf der ganzen Welt, sie wurden in die Kollektion des Londoner Design Museums aufgenommen und sammeln internationale Auszeichnungen. Alvaro selbst ist gerade erst von einem Trip aus Australien zurückgekommen, wo er nach Kolumbien, Chile, Äthiopien und Japan, gemeinsam mit Aborigines eine neue Kollektion der „PET-Lamps“ entwickeln möchte. Denn Alvaros’ gestalterischer Gedanke war dieser: Die Handwerkstechnik des Flechtens wird in beinahe allen Kulturen ausgeübt, allerdings mit unterschiedlichsten Materialien oder Techniken. In der Zusammenarbeit mit Alvaro arbeiten die jeweils ausgesuchten Kreativen als Konstante immer mit Kunststoff-Schnüren aus recyceltem PET — aber ihrer eigenen Fertigungstechnik und Eigenarten. Das macht die Kollektion der PET-Lamps äußerst vielseitig und auf eine gewisse Art unendlich.

Held des Handwerks
Nicht nur ein Special-Act ist auch die Zusammenarbeit von Design-Superstar Sebastian Herkner mit dem deutschen Wohndesign-Hersteller ames und kolumbianischen Handwerkern. Im Oktober 2015 reiste der Offenbacher Produktdesigner zusammen mit der Unternehmerin Ana María Calderón Kayser aus Plaidt in der Eifel zum ersten Mal nach Kolumbien. Gerade erst ist er von seiner zweiten Tour zurückgekommen. Fragt man Herkner, der sich gerade die Rosinen aus den eintrudelnden Aufträgen rauspicken könnte, was ihn an so einer Zusammenarbeit reizt, sagt er: „Durch dieses Projekt lerne ich Kolumbien und seine Menschen viel intensiver kennen, als bei einem klassischen Urlaub.“ Und dann nach einer Denkpause: „Der intensive, interkulturelle Austausch mit den Handwerkern vor Ort ist hier ganz besonders. Mir liegt es am Herzen das Potenzial und die Vielfalt des Landes in zeitgenössisches Design zu übersetzen.“ Der Austausch über Gestaltung, Werte und Kulturen scheint für Designer wie Sebastian Herkner also noch vor Beweggründen wie große Reichweite oder Marktpräsenz des Herstellers zu liegen. „Natürlich ist es auch toll zu wissen, dass man mit seiner Arbeit in Kolumbien helfen kann Handwerksbetriebe aufzubauen und Existenzen zu sichern“ fügt Sebastian Herkner noch hinzu.

Anders ist schön(er)
Auch wenn so eine Zusammenarbeit längst nicht mehr nach Dritte-Weltladen aussieht — sie resultiert doch in einer für uns (noch) ungewöhnlichen Ästhetik. Monique Thoonen vom niederländischen Label Imperfect Design sagt dazu: „Der Outcome dieser Zusammenarbeit ist immer eine positive Überraschung. Die interkulturelle Zusammenarbeit, die oft auch schwierige Verständigung… alles resultiert in einer neuen Designsprache, die nicht entstanden wäre, wenn der Designer zuhause an seinem Computer gesessen hätte.“ Diese Andersartigkeit ist genau das, was viele Konsumenten heute zu suchen scheinen. Und das übrigens schon ab dem kleinsten Alter: Die fantasievollen Puppen der „Me and my doll“-Serie der Hamburger Designerin Alexa Lixfeld und einer Sri-Lankischen Frauen-Initiative sind beispielsweise alles andere als „gesehen“ und verkaufen sich mit 1000 Puppen pro Jahr sehr gut. Wer jetzt an kleine Verkaufsmärkte mit Spendenziel denkt, liegt falsch: Die Puppen werden Seite an Seite mit Alexa Lixfelds’ kunstvollen Glasobjekten für mehrere hundert Euro auf deren Website verkauft. Der Sprung in die Galerie ist für die Puppen so vielleicht auch nicht mehr weit…

 

Von Janina Temmen

 

Erstellt am 14.06.2017 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 438 mal gelesen
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