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Glut, Schweiß und Stähle

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Die uralte Kunst des Messerschmiedens: Zwei Männer aus Aschau im Chiemgau erhalten sie am Leben. Jedes ihrer Damastmesser ist ein Unikat, jedes ein Meisterstück.

 

Die Szenerie: Amboss; mechanischer Hammer mit Leder-Transmission; Drehbank. In der offenen Esse prasselt Feuer; Steinkohle glüht in Sonnenaufgangsorange; an den Wänden haftet Ruß; auf Tischen stapeln sich Schildpatt, Geweihe, Edelhölzer.

 

Die Protagonisten: Ein Mann mit Kaffeetasse in der Hand, ein anderer mit selbstgedrehter Zigarette; der eine trägt Brille, der andere Pferdeschwanz. Wir erkunden das Reich von Florian Pichler und Luca Distler. Die Freunde erwecken in ihrer historischen Werkstatt zu Füßen von Schloss Hohenaschau ein mittelalterliches Handwerk wieder zum Leben – das Schmieden von Damaszenermessern.

 

Geboren wurde das „Messer-Werk“ im Keller von Luca Distlers Elternhaus, wo die beiden im Jahr 2004 erstmals auf erhitzen Stahl eindroschen. Ein eher ungewöhnliches Hobby, doch Kunstschmied und Zahntechniker interessierte der Umgang mit dem Material. Und das gehorchte ihren geschickten Händen wie Frauen dem Augenaufschlag von George Clooney. Also wagten sie 2009 den Sprung in die Selbstständigkeit. Damals hielten nicht wenige das Damaszener-Duo für mindestens mutig, wenn nicht gar verrückt. Heute gehen Aufträge aus ganz Europa ein, Kunden warten geduldig bis zu drei Monate auf ihr Messer oder kommen gar persönlich in die seit 1808 bestehende, ehemalige Hufschmiede, um es abzuholen und sich in die Feinheiten der Herstellung einweisen zu lassen.

 

Der Begriff Damast, ist dabei zu erfahren, wecke oft irrige Assoziationen. An Arabien, an die Stadt Damaskus, an Schwertkämpfe aus Tausend und einer Nacht denkt man womöglich. In Wirklichkeit leite sich das Wort vom arabischen „Damas“ ab, erklärt Florian Pichler, was „fließend“ oder „wässrig“ bedeute. Seine dekorative, organisch anmutende Musterung hat den Schweißverbundstahl so berühmt gemacht. Wie dieses individuelle Muster entsteht? Durch die vielen Faltungen und die Anzahl der Eisenlagen. Sie verleihen jeder Klinge ein individuelles Gesicht, das auch Laien als Außergewöhnlich anerkennen. Stellen sie eher Nutz- oder eher Ziermesser her? „Das hält sich die Waage. Aber wir unterscheiden eh nicht. Wir fertigen weder hässliche Nutzmesser noch nutzlose Ziermesser. Letztlich kaufen unsere Kunden kein Gebrauchs-, sondern ein Luxusobjekt“, gibt Florian Pichler zu.

 

Bei aller Lässigkeit, die sie in ihren leicht zerrupften Arbeitsklamotten versprühen – man spürt die Professionalität, das Wissen ums eigene Können. „Wir wollen den Markt gar nicht gesamtbedienen“, betont beispielsweise Florian Pichler. „Wir gehören zu den Besten. Unsere Werkstatt wird also nie ein Messer verlassen, das qualitativ nicht optimal, dafür aber billiger ist.“ Das wüssten die Kunden, vor allem wüssten sie es zu schätzen! Und wie wird man so gut, dass Menschen ohne mit der Wimper zu zucken 450 Euro aufwärts für ein Messer hinlegen?  „Messerschmied ist ein ausgestorbener Beruf. Man kann keine Lehre absolvieren. Man wird gut, indem man es tut“, antwortet Luca Distler. Schmieden, schmieden, schmieden!

 

Und so erhitzt er einen Stahlrohling auf weit über 1.000 Grad, klappt ihn um, hämmert mit aller Kraft auf das Werkstück, damit sich die Schichten verbinden, lässt das Stück wieder verschmelzen, klappt wieder um, hämmert… eine schweißtreibende, bis zu fünfstündige Prozedur, an deren Ende hunderte Lagen Stahl den Rohstoff für die Klinge bilden. Die wiederum gilt es nun erst – wieder unter höllischen Temperaturen – in die rechte Form zu klopfen. Florian Pichler kümmert sich anschließend ums Feintuning. Die Klinge erst glätten, dann härten, einen kunstvollen Griff montieren (aus Materialien wie Holz, Perlmutt, Giraffenknochen oder fossilem Elfenbein – alles völlig legal beschafft, versteht sich) und ihr erst ganz zum Schluss die sprichwörtliche Schärfe verleihen. Ein Aufwand, der sich lohnt: Kenner sehen sofort, ob das Messer aus Aschau stammt. Ganz egal, ob es sich um eines der Jagd- und Freizeitmesser, Kochmesser oder „nur“ Ziermesser handelt.

 

Kontakt:

„Messer-Werk“
Luca Distler und Florian Pichler

Kampenwandstr. 96a

83229 Aschau im Chiemgau

www.messer-werk.de
Alle Fotos: „Messer-Werk“

Erstellt am 25.02.2015 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 1552 mal gelesen
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