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Film ab! – Heimwerker-Videos im Netz

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Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass Heimwerker-Videos und DIY-Anleitungen das Internet erobert haben. Auf Videoportalen wie YouTube oder MyVideo gibt es täglich neue Bauanleitungen, Basteltipps, Recycle-Ideen, Gebrauchshinweise und Erfahrungsberichte zu bestaunen – dabei mal flippig, mal bieder oder auch betont professionell. Und die kontinuierlich steigende Zahl von Usern, die zu Fans dieser Produktionen konvertieren, scheint den Trend zu bestätigen: Das Bedürfnis der Nutzer nach Informationen im Heimwerker- und DIY-Bereich ist größer als je zuvor!

Während auf MyVideo in erster Linie kurzlebige TV-Formate aus dem Bereich des Infotainments ihre Wiederauferstehung feiern, ist YouTube wie schon zu frühesten Zeiten ein bevorzugter Tummelplatz für Selbstinszenierer und Altruisten geblieben. Ihr Markenzeichen: Sie spielen in ihren Produktionen immer die Hauptrolle. Heimwerker-Videos solcher Prägung arbeiten stets mit dem Charme einer Live-Aufzeichnung, geprägt durch einen gewissen Hauch von Improvisation. Nicht immer muss hier vor laufender Kamera alles reibungslos funktionieren. Und das ist auch gar nicht gewollt. Schließlich kommt eine gehörige Portion Authentizität bei den Zuschauern immer gut an. Da kann es kaum überraschen, wenn die Zahl der besonders durch das jüngere Publikum als Helden verehrten DIY-Pros im Zuge solcher Selbstvermarktung kontinuierlich ansteigt.

Da wäre z.B. Heimwerker-Ästhet Fynn Kliemann. Seine Videos sind dynamisch, schnell und niemals ernst gemeint. Das zeigen schon die Vorschau-Bilder, auf denen immer etwas explodiert. Irgendwie geht es zwar auch um DIY-Projekte. Allerdings überwiegt der Spaßfaktor bei weitem. Keine Szene, in der nicht Fynn die Hauptrolle spielt. Der quirlige Alleskönner bleibt fast permanent im Bild, die Arbeit darf hier nur eine Nebenrolle spielen. Und doch reicht es aus, um über 12.000 Abonnenten für sich einzunehmen. Zielgruppen-Projektion und Unterhaltungswert sind hier die Leitideen.

Doch nicht alles ist auf YouTube beim Alten geblieben: Seit einigen Jahren haben auch Hersteller und Einzelhandel die vernetzte Welt für sich entdeckt und mischen inzwischen gehörig mit, wenn es um virtuelle Anleitungen für daheim geht. Ihre professionell erstellten Produktvideos lassen jedoch oftmals den eigensinnigen Charme der privaten Videoproduktionen vermissen. Stattdessen setzen sie auf eine Sales-optimierte Vermittlung ihrer Inhalte. Die professionelle Distanz zum Kunden wird dabei auch online nicht einfach über Bord geworfen. Das Produkt soll einzig durch seine angepriesenen Qualitäten zum Kauf anregen, eine Zuschauerbindung über den Produktverkauf hinaus ist in der Regel (noch) nicht angestrebt. Eine echte Social Media-Strategie muss hier erst noch wachsen.

Zwischen diesen beiden so gegensätzlich anmutenden Welten siedelt sich mittlerweile noch eine dritte Art von Videobeiträgen an. Bezeichnend für diese ist, dass bei diesen weder der Handlungsträger, noch das von ihm geführte Markenwerkzeug im Vordergrund stehen. Vielmehr konzentriert sich die Perspektive tatsächlich auf die praktische Ausführung handwerklicher Arbeiten. Der Versuch, die Tätigkeiten optimal in Szene zu setzen, soll es dem Zuschauer erlauben, die einzelnen Handgriffe funktionell nachzuvollziehen. Nicht immer ist dabei Vollständigkeit angestrebt. Das erscheint auch kaum möglich, wenn die Videos nicht abendfüllende Ausmaße annehmen sollen. Das Ziel besteht also darin, das gewünschte Ergebnis in möglichst wenigen, maximal überschaubaren Schritten zu erreichen.

Ein gutes Beispiel für diesen Ansatz bietet Heimwerker-Experte Mark Molter mit seinem YouTube-Kanal. Schon mehr als 32.000 Fans haben ihn abonniert. Dabei lassen die Vorschaubilder auch hier zunächst nur Selbstdarstellung erwarten. Denn auf jedem einzelnen Bild lächelt Molter dem User genüsslich entgegen. Doch im Verlauf eines jeden Videos wird bald klar, dass es hier um mehr geht. Nach der obligatorischen (und gelegentlich besonders ausführlichen) Anmoderation bleibt die Kamera während der eigentlichen Arbeiten konsequent auf das Projekt gerichtet. So sind alle Tätigkeiten gut zu verfolgen und problemlos nachvollziehbar. Mit bis zu 30 Minuten Laufzeit fordern Molters Beiträge bisweilen aber jede Menge Sitzfleisch ein. Definitiv für Heimwerker, bei denen Zeit keine Rolle spielt.

Deutlicher dem neuen Schema verschrieben haben sich die Beiträge des österreichischen Heimwerker-Portals diybook.at. Eine Identifikationsfigur gibt es hier nicht mehr, der alleinige Star ist das Projekt. Und das muss in kürzester Zeit überzeugen. Denn sowohl leichte Tätigkeiten wie das Einstellen von Fenstern, Reparaturarbeiten wie die Wartung eines Trockners oder auch größere Projekte wie das Mauern einer Zwischenwand sind dem Anspruch unterworfen, dass innerhalb weniger Minuten alles Wichtige gesagt bzw. gezeigt sein muss. Die nötigen Erläuterungen bietet ein größtenteils sachlicher, bisweilen aber auch zu Späßen aufgelegter Kommentator aus dem Off. So schnell die Videos vorbei sind, so hoch ist die Informationsdichte. Das ist nicht immer leicht zu verdauen, doch für einen schnellen Überblick sehr hilfreich. Überzeugt hat dieses Konzept bislang schon mehr als 4.000 Abonnenten. Für einen Kanal, der akute Problemlösungen anbietet und jeden Journal-Charakter zurückstellt – der also eigentlich nur im Bedarfsfall aufgesucht wird – ist das bereits eine beachtliche Zahl.

Die genannten Beispiele zeigen im Kleinen, wie vielseitig sich die Zugangswege zum Thema Heimwerken geben, und verdeutlichen, dass die anfangs beschriebene Evolution eine fließende ohne harte Grenzen ist. Nicht immer steht allein selbstlose Wissensvermittlung im Vordergrund. Denn in ihrem Kern bleiben Videos natürlich immer auch Show. Deshalb sind die Nutzer hier selbst gefragt, welches der Angebote sie wahrnehmen. Sie müssen für sich die Entscheidung treffen, was sie konkret von einer Heimwerker-Anleitung erwarten.

Erstellt am 07.11.2015 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 2483 mal gelesen
Kommentare (1)   Kommentar schreiben

  1. Vielen Dank für ihren Beitrag. Ich merke an mir, dass ich beim Konsum in den letzten Jahren vermehrt auf „Selfmade“-Videos umgestiegen bin und damit eher ein interessantes Do-it-yourself-Heimwerkervideo ansehe als in einem Forum oder Blog Informationen zu meinem Thema zu suchen. Gerade im Heimwerker-Bereich ist Video ein unschlagbares Instrument, um unbedarften Laien schnell die Grundlagen eines Themas beizubringen. Deswegen wird sich dieser Bereich meiner Meinung nach noch sehr stark entfalten.

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