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Home Staging – Das Auge kauft mit

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Beim Betreten der Wohnung empfängt einen ein hell erleuchteter, weiß gestrichener Flur mit wenigen neutralen Möbeln und gekonnt platzierten Accessoires – ein angenehmer, wohnlicher Eindruck, der sich auch durch alle anderen Räume der Wohnung zieht. Wohnt hier jemand? Nein. Der gute Eindruck ist das Werk von Cornelia Reichel, die der zum Verkauf stehenden Immobilie ein Home Staging zugutekommen hat lassen. So soll das Objekt besser und schneller an den Käufer gebracht werden. Was in anderen Ländern wie den USA schon lange gang und gäbe ist, wird immer öfter auch in Deutschland praktiziert.

„Meine Aufgabe ist es, die Schokoladenseite einer Immobilie zu entdecken, positiv zu unterstreichen, sie für die jeweilige Interessentengruppe auf den ersten Blick sichtbar zu machen und so den ‚Haben-will’-Impuls auszulösen“, erklärt Cornelia Reichel. Das sei ähnlich wie beim Verkauf eines Autos. Möchte man einen Wagen verkaufen, will man ihn schließlich auch von seiner besten Seite zeigen. Man räumt ihn aus, wäscht und reinigt ihn oder lässt ihn vielleicht sogar noch für den Verkauf neu lackieren. „Es gibt sogar Raumsprays mit Neuwagenduft“, fügt die Home Stagerin an.
Dabei geht es nicht darum, Mängel zu verdecken. Im Gegenteil: Ist ein Mangel aus finanziellen Gründen nicht vor dem Verkauf der Immobilie zu beheben, muss er offen kommuniziert werden. Das schreibt schon allein der Gesetzgeber vor. Käufer müssen auf Mängel klar hingewiesen werden, sonst wird der gesamte Kaufvertrag hinfällig. Das Überstreichen von Schimmelflecken zum Beispiel verbietet sich daher für einen seriösen Home Stager von selbst. „Im Zweifelsfall wird ein guter Home Stager daher einen Auftrag auch mal ablehnen“, so Cornelia Reichel.

Was ist Home Staging?

„Sind die Vorarbeiten erledigt, erstelle ich ein Raum- und Farbkonzept, besorge die benötigten Möbel und Accessoires, sofern ich sie nicht in meinem Fundus vorrätig habe, und komme dann mit dem großen Möbelwagen, um die Immobilie auszustatten“, erzählt Cornelia Reichel. Die Gegenstände verbleiben dort bis zum endgültigen Verkauf, also bis zum Notartermin. Danach holt sie die Home Stagerin wieder ab und bringt sie zurück in ihr Lager. Ab und zu kommt es schon einmal vor, dass ein Immobilienkäufer einzelne Stücke erwirbt, weil sie ihm so gut gefallen.
Kurz: Home Staging ist ein Instrument des Immobilienmarketings. Es geht vor allem darum, eine Immobilie für eine Zielgruppe attraktiver zu gestalten. Cornelia Reichel „pimpt“ daher nicht nur Alt-, sondern auch Neubauten, die sie als Musterwohnungen einrichtet. Und das lohnt sich: Auswertungen der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign e. V. (DGHR) haben ergeben, dass sich „gestagete“ Immobilien im Durchschnitt doppelt so schnell verkaufen als solche, die nicht überarbeitet wurden. Zwischen 80 und 90 Prozent aller Immobilien, die ein Home Stager im Vorfeld optimiert hat, finden innerhalb von drei Monaten einen neuen Eigentümer. Wenn der Preis für das Objekt marktgerecht ermittelt wurde, also keine Mondpreise zugrunde gelegt wurden, sind laut DGHR Preissteigerungen durch Home Staging von bis zu 15 Prozent keine Ausnahme.
Und das ist keine Zauberei, denn wie Studien ergeben haben, können sich nur die wenigsten Menschen vorstellen, wie ein leerer Raum eingerichtet wirken könnte. Dazu passt auch, dass „bei einer Comdirect-Untersuchung von 2010 81,6 Prozent der Deutschen angaben, eine Immobilie müsse ihnen auf den ersten Blick und aus dem Bauch heraus gefallen. Sonst komme der Kauf erst gar nicht infrage“, fügt Expertin Reichel an. „Lage und Preisrahmen sind meist vorher geklärt. Der technische Standard kommt erst danach auf den Prüfstand.“

Warum wird Home Staging immer populärer?

Als Folge der Wirtschaftslage boomt derzeit der Immobilienmarkt. Die Nachfrage nach dem sogenannten Betongold ist hoch. Das liegt nicht zuletzt auch daran, weil es durch die momentane Niedrigzinsphase kaum rentable Alternativen für Anleger gibt. Ein Mangel an Wohnraum – vor allem in den Großstädten – führt dazu, dass die Immobilien in vielen Gegenden immer teurer werden. „Wer sich das leisten kann, erwartet allerdings auch etwas für sein Geld. Die Ansprüche steigen generell“, erklärt Cornelia Reichel. Die meisten Menschen haben keine Lust und Zeit, um sich mit Renovierungen aufzuhalten, sondern wollen gleich einziehen. Um aus der Masse der Angebote herauszustechen, ist Home Staging somit ein probates Mittel.
Dennoch trifft Cornelia Reichel bei ihrer Arbeit hin und wieder auch auf Widerstände, und zwar nicht bei den Käufern, sondern bei den Verkäufern: „Die größte Herausforderung ist meist, den Eigentümern klarzumachen, dass Sie eine Immobilie verkaufen, die in Konkurrenz zum örtlichen Immobilienmarkt steht, und nicht ihr Zuhause, in dem sie lange Jahre gewohnt haben und in das sie viel Zeit, Geld und Liebe gesteckt haben. Das ist ein himmelweiter Unterschied.“ Denn allzu Privates vom Voreigentümer schreckt potenzielle Käufer ab. Schließlich will jeder die neue Wohnung oder das neue Haus mit seinem eigenen Leben füllen. „Der Wurm muss dem Fisch schmecken – nicht dem Angler“, bringt es die Expertin auf den Punkt.

Wie findet man einen guten Home Stager?

Da die Berufsbezeichnung Home Stager nicht geschützt ist, gibt es auch schwarze Schafe unter den Anbietern. Einen guten Home Stager erkennen Sie daran, dass er „echte“ Referenzbilder und einen eigenen Ausstattungsfundus vorweisen kann. Noch besser ist, wenn es sich um ein Mitglied des DGHR handelt. Der Verband hat sich 2010 gegründet mit dem Ziel, das Berufsbild zu professionalisieren. Mitglieder des DGHR haben die verbandseigene Ausbildung durchlaufen und sich zur Einhaltung von Qualitätsstandards sowie des DGHR-Ehrenkodexes verpflichtet. Auf der Homepage des Verbands finden Sie ein Anbieterverzeichnis.

Was kostet ein Home Staging?

Cornelia Reichel verlangt für ein komplettes Home Staging inklusive der Leihmöbel für eine Basismietzeit von drei Monaten zwischen einem und drei Prozent des anvisierten Kaufpreises. Je teurer die Immobilie, desto günstiger wird das Home Staging im Verhältnis zum Kaufpreis. Bei einer durchschnittlichen Immobilie mit einem Preis von ca. 300.000 Euro bewegen sich die Preise also im mittleren vierstelligen Bereich. Eventuelle Renovierungsarbeiten sind da jedoch noch nicht inbegriffen. Daneben bietet Cornelia Reichel auch noch Home Staging von bewohnten Immobilien an. Dabei arbeitet sie meist mit vorhandenen Möbeln und tauscht lediglich Accessoires aus, räumt auf und strukturiert um. Das ist günstiger: Pro Tag muss man mit etwa 600 Euro plus Material rechnen.

 

Erstellt am 18.01.2017 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 2302 mal gelesen
Kommentare (1)   Kommentar schreiben

  1. Die wunderschönen Fotos zeigen eindrucksvoll den Effekt von Cornelia Reichels Arbeit und von Home Staging. Bei einer Verkaufsimmobilie unbedingt empfehlenswert.

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