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Midcentury – Das neue Retro

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Die Designszene ist gerade ganz verrückt nach sogenannten Midcentury-Stücken. Oder solchen, die danach aussehen…  

Im Wohnen gibt es seit einiger Zeit einen Trend, der wie ein Joker ist: Er wird immer dann gezückt, wenn man in Sachen Einrichten “gewinnen“ will. Denn das tut der „Midcentury“-Trend irgendwie immer — ganz egal in welchen Wohnstil er hineingetragen wird. Midcentury ist dabei erstmal nur ein Dachbegriff für Designstücke der 50er bis 70er Jahre. Und das bedeutet, das seine stilistische Bandbreite immens ist: Mal versteht man unter Midcentury üppige Glasleuchter aus Italien, dann sanft geschwungene Cocktailsessel aus Skandinavien. Ganz gleich jedoch welcher Nationalität: Noch nie waren Designstücke der 50er, 60er und 70er Jahre so gefragt wie jetzt.

Wer jetzt nur müde denkt, das sei der bereits bestens bekannte „Retro“-Wohntrend, der denkt zu kurz: Denn beim aktuellen Midcentury-Trend geht es stark um die Herkunft und Qualität der Möbel und Designobjekte. Die bloße Tatsache, dass ein Möbelstück oder eine Leuchte alt sind, reicht denen, die dem „Midcentury“ leidenschaftlich verfallen sind, nicht mehr aus. Sie tauchen wieder ganz tief in die Designgeschichte ein.

Modernes Design im historischen Gewand

Doch auch viele neue Möbel-, Leuchten- oder Accessoire-Entwürfe atmen den Geist dieser gerade so berühmten Designepoche: Sie sind formell relativ zurückhaltend, dafür aber im Material anspruchsvoll und im gesamten Auftreten elegant. Vor allem die modernen Möbelhersteller aus Dänemark und Schweden, wie Gubi und &tradition, sind gerade im Midcentury-Fieber und haben dafür teilweise sogar ihre erfolgreichen Nüchternheitspfade verlassen. Vielleicht auch, weil solche Midcentury-Entwürfe optisch gut als Brücke funktionieren: Alte und neue Möbel, antiker Look oder „shabby chic“, teure und günstige Dinge — „Midcentury“-Design gelingt es, dass alle Elemente eines Raumes sehr vornehm miteinander kommunizieren.

So eine Funktion als „Brücke“ kann übrigens auch ein Bodenbelag sein. Knarzendes, geschichtsträchtiges Parkett in Altbauwohnungen lieben zum Beispiel selbst Minimalisten: Weil es die Einrichtung mit der Architektur verbindet. Und selbst die schlichtesten Möbelstücke darauf wie auf einer Bühne wirken. Aber dank innovativer Materialentwicklungen muss ein Fischgrätparkett gar nicht unbedingt alt sein — es kann auch nur so aussehen. Viele Möbelstücke, wie die Nierentischchen und Nussbaumholz-Kommoden, die man in den letzten Jahren überall sah und historisch wähnte, sind es schließlich auch gar nicht. Sie haben sich nur von den einst populären Gestaltungselementen inspirieren lassen.

Szene-Interieurs setzen auf den Midcentury-Stil

Dass es dem Midcentury-Trend ja gerade um Brüche und Kontraste geht, beweisen auch die vielen neuen Hotels oder Restaurants, die vorzugsweise gerade in diesem Stil eingerichtet sind. Dazu gehört das „La Forêt Noire“ in der Nähe von Lyon, da vom Studio Claude Cartier gestaltet wurde, aber auch das das Restaurant „Rocca Riviera“ in München: Hier sitzt man auf den gerade wahnsinnig populären „Beetle“ Stühlen von Gubi, isst von Marmortischchen und wird von riesigen Sputnik-Leuchten ins rechte Licht gerückt. Alles keine echten Midcentury-Stücke, aber vieles, was so aussieht (wie die Sessel von Seven Elohim). Außerdem sieht man hier wie dort gerade extrem viel Retro-Materialien wie Samt, einst beliebte Farben wie Tannengrün und Violett, Deko-Details wie Fransen und Troddeln an Sofas und Sesseln, ja selbst die aktuelle, allgegenwärtige Goldglanzwelle gab es natürlich schon längst.

Trend mit Geschichtenerzähler-Potential

Warum wir im Wohnen wieder so gerne zurückschauen? Szene-Insider und Kreative sehen darin eine Abkehr von dem allgemeinen Streben nach „Neuem“, aber auch dem „höher, schneller, weiter“-Prinzip. Im Innehalten und hinter sich blicken besinnt man sich auf wahre Werte. Selbst extravagante Kunstmäzene wie die Boros aus Berlin, residieren nicht mehr in schlichten weißen Bauhaus-Kuben mit Eileen-Gray-Glastischen und schwarzen Leder-Daybeds. Sie richten sich mit alten Muranoglasleuchtern ein oder skulpturalen Goldmöbeln von Romeo Rega, auch kunterbunte Venini-Vasen sieht man immer häufiger. Stücke zu denen man einen ganzen Abend lang etwas erzählen kann und deren Vita oft spannender ist, als so mancher Gesprächspartner eines Sekt-Empfangs. Design das Seele hat — dafür aber nicht mit einem Klick zu bestellen ist.

 

Ein Artikel von Janina Temmen

 

Erstellt am 16.02.2017 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 1703 mal gelesen
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