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Der Blick in die Designszene der Niederlande ist jetzt inspirierender denn je: Denn hier finden sich so richtungsweisende Designer-Duos wie Scholten & Baijings oder Formafantasma. Und Themen wie eMobility oder traditionelle Malerei werden in Holland auf beneidenswert unkonventionelle Art angegangen…

Das Meer liegt am Ende ihrer Straße. Man kann die Schiffe, die sich dort Richtung Hafen schieben, fast sehen, wenn man bei Andrea und Simone am Dachfenster steht. Hier in Amsterdams Norden liegt das Studio von Formafantasma, das Designerkollektiv von Andrea Trimarchi und Simone Farresin. Ein Studio, „das die Zukunft des Designs formen wird“ — wenn man der Designkritikerin Alice Rawsthorn von der New York Times und Paola Antonelli vom Museum of Modern Art glauben will. Schon jetzt zählen die beiden Materialtüftler zu den „Top 10 Designern der Niederlande“. Und das, obwohl sie weder Holländisch sprechen, noch sich thematisch mit ihrer Wahlheimat beschäftigen. „Wir leben in den Niederlanden, wie in einer Blase. So können wir uns perfekt auf unsere Arbeit konzentrieren.“ sagen sie.

Unkonventionelles Design im schönsten (Farb-)Kleid
Sie wohnen aber auch so gerne in Amsterdam, weil kaum eine andere europäische Stadt, so eine Unkonventionalität atmet. Das zeigt allein die Bandbreite an Designern, die hier leben und arbeiten. Darunter das Designerpaar Stefan Scholten und Carole Baijings. Seit die beiden 2000 ihr Studio Scholten & Baijings gründeten, bewegen sie die internationale Designszene. Vor allem mit fluoreszierenden Farben und Farbverläufen. Der große Neonhype der letzten Jahre wäre ohne Scholten & Baijings nicht denkbar gewesen. Ihre Bettwäsche, Handtücher und Teppiche für das dänische Label Hay, die grafische Muster und leuchtende Farbverläufe tragen, sind Bestseller — und unendlich oft kopiert. In diesem Jahr haben sie sich allerdings einem Material verschrieben: Für das Projekt „2016/“ stecken sie mit 16 internationalen Designern und 10 japanischen Manufakturen unter einem Hut und erforschen die Zukunft von Porzellan.

Die Norm ist nur zu Besuch
Auch die Rotterdamer Designerin Wieki Somers ist Teil des „2016/“-Projekts. Ihr Teeservice ist formell eine Ode an den Mond und farblich eine Hommage an die Manufaktur Koransha, in der es entsteht. Ein sehr zahmes Design der Niederländerin — schließlich ist sie eigentlich für ihre extravaganten, aneckenden Ideen bekannt. Ihr Paradestück, das ihr internationale Aufmerksamkeit einbrachte, ist eine Teekanne in Schweineschädel-Form, die mit einem Wasserratten-Fell bezogen ist… „Alles andere als gewöhnlich“, könnte der Slogan ihres Studios lauten — aber auch ein bisschen der des niederländischen Designs.

Niederländische Nationalschätze
Abseits des Mainstreams liegt auch Thomas Eycks Label t.e., unter dem er mit unterschiedlichsten Designern zusammen arbeitet und seine Kollektion jedes Jahr um ein bis fünf neue Produkte bereichert. Sein Motor? „Leidenschaft für ein Material.“ Mal ist es Leder, mal Vulkanasche, mal Flachs. Oder Wolle, wie im Falle der ersten Kooperation mit Christien Meindertsma. Auch wenn es eine Ausnahme seines Konzeptes bedeutet, arbeitet Thomas Eyck immer wieder mit der jungen, niederländischen Designerin zusammen. Sie eint ein umtriebiger Forschungsgeist und eine ausgeprägte Heimatliebe. Immer wieder steht dann auch das TextielMuseum in Tilburg im Mittelpunkt ihrer Recherchen. Es ist neben der Designakademie Eindhoven quasi ein Nationalschatz der Niederländer. Denn hier finden sich nicht nur sorgfältig archiviert Materialproben und Erkenntnisse zu verschiedensten Textilien, ihrer Fertigung oder Verarbeitung. Sondern auch das TextielLab, eine Art Innovationscenter für Textilien.

Dutsch Design auf großer Mission
Simone Post entwickelte hier zuletzt Plaids und einen Upcycling-Teppich für das Label Breed, das gerade versucht die Designszene aufzumischen. Label Breed ist gegen die „Kultur der schönen Produkte“. Lieber suchen die Macher hinter Label Breed, Stijn Roodnat und Toon Stilma, nach Designern, die sich an spezielle Materialien oder Fertigungstechniken koppeln — immer unter dem Dach „Made in the Netherlands“. Damit haben sie Erfolg: Gerade tourt zum Beispiel Simone Posts Teppich unter dem Titel „WantedDesign Manhattan“ durch New York. Christien Meindertsma hat für Label Breed zum Beispiel einen federleichten Stuhl aus Flachs und Bio-Plastik entworfen, der in einem holländischen Betrieb formgepresst wird.

Nachhaltigkeit jenseits des Hip-Faktors
Apropos Bio: Der Aspekt Nachhaltigkeit wird in Holland so selbstverständlich gelebt, wie in kaum einem anderen europäischen Land. (Und damit ist nicht nur die Fahrradkultur gemeint…) Ob diese Tatsache dadurch befeuert wird, dass das kleine Land keine Bodenschätze besitzt, oder durch eine gewisse Weitsicht der Holländer, ist offen. Als Resultat entstehen unter anderem aber viele, spannende Designprodukte und -Projekte. Darunter die amorphen Metallhaken von House of Hermeta, die Faltvasen von Pepe Heykoop, der eMobility-Roller „Egret Ten“ von Robert Bronwasser oder die Keramikobjekte von Imperfect Design. Designikone Marcel Wanders hat seine ganz eigene Interpretation von Nachhaltigkeit: „Als Designer finde ich, sollte es unser Anspruch sein, Dinge zu schaffen, die man liebt. Also wirklich liebt — nicht nur mag. Denn wenn wir Dinge lieben, dann behalten wir sie. Das ist dann im besten Sinne nachhaltig.“ Sein neuestes Projekt, das XXL-Kunstbuch „Rijks, Masters of the Golden Age“, ist auch ein Resultat seiner Leidenschaft: In diesem Fall zur Kunstgeschichte der Niederlande und den Malern des Goldenen Zeitalters.

Auf die niederländische Art
Als Arian Brekveld seine „Batrang“-Kollektion für Imperfect Design entwarf, war ihm wichtig, dass man auf keinen Fall erkennt, dass sie einen „sozialen Hintergrund haben und in einem Entwicklungsland gefertigt sind. Das ist nämlich überhaupt nicht nötig. Gutes Design sticht auch so heraus.“ Für die Niederlande ist Arian Brekveld fast so etwas wie der Haus-und-Hof-Designer im besten Sinne. Er arbeitet mit fast allen Firmen der niederländischen Designlabellandschaft zusammen: Von Montis, über Royal Delft und Royal VKB, bis hin zu Droog. Dabei wählt er sich seine Auftraggeber sorgfältig aus: „Denn nur dann entstehen Produkte, die herausragen können.“ Auch die Tatsache, dass es fast immer niederländische Firmen sind, für die Brekveld arbeitet, zeigt: Es scheint ein besonderer Geist in der niederländischen Designszene zu wehen, der Eigensinnigkeit lebt. Und das nicht (nur), weil es 2016 hip ist, auf Individualität zu setzen. Arian sagt dazu nordisch nüchtern: „So macht es einfach mehr Spaß.“

 

Ein Artikel von Janina Temmen

 

Die Design-Messe „Inside Design“ in Amsterdam erobert mit seinen Exponaten sogar Freiflächen… Andrea Trimarchi und Simone Farresin vom Design-Studio Formafantasma Für die Wiener Manufaktur Lobmeyr haben Formafantasma 2014 mit Kristallglas experimentiert Stefan Scholten und Carole Baijings sind die Art Direktoren des „2016/“-Projektes Die Entwürfe von Teruhiro Yanagihara_für das „2016/“-Projekt Wieki Somers und Dylan van den Berg sind die Köpfe hinter dem Design-Studio Wieki Somers Prototypen vom Studio Wieki Somers für das „2016/“-Projekt Die Porzellan-Edition von Teruhiro Yanagihara für das „2016/“-Projekt Ein Raum in Blau-Weiß: Er trägt die Fototapete „121“ der t.e.-Kollektion Die niederländische Designerin Christien Meindertsma entwarf für die t.e.-Kollektion bereits mehrere Möbelstücke, auch Teppiche und Accessoires sind dabei Das Label Breed versteht sich als eine Art Mittelsmann zwischen Designern und Herstellern Der Recycling-Teppich von Simone Post für Label Breed Auf der Mailänder Möbelmesse 2016 zeigte Label Breed herausragende Stücke seiner Kollektion Für die Fortbewegung in Amsterdam wie gemacht: Der elektrische Roller „iMAX“ von Robert Bronwasser Marcel Wanders ist eine Designikone und Hollands liebstes Enfant Terrible Es gibt kaum eine niederländische Marke für die der Designer Arian Brekveld noch nichts entworfen hätte… Der neueste Clou von Arian Brekveld ist der Stuhl „Back Me Up“ für Montis
Erstellt am 11.05.2016 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 1992 mal gelesen
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