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Der Reiz des Unkomplizierten

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Schlicht und elegant – Schmuck-Designerin Saskia Diez überzeugt mit der Schönheit des Einfachen. „Geöffnet – Bitte Klingeln“ steht auf dem kleinen, weißen Schild an dieser zurückhaltenden Ladentür in München. Kein kreischend bunter Werbeslogan am Fenster, keine schillernden Auslagen. Fast könnte man das kleine Atelier von Saskia Diez im Glockenbachviertel in München übersehen, so dezent wirkt es nach außen. „Ich mag den Reiz des Unkomplizierten“, sagt die Schmuck-Designerin, deren enorme Ausstrahlung einen sofort in den Bann zieht. Wie ihre Arbeiten, die puristisch und poetisch, schlicht und elegant, filigran und kraftvoll sind. Eine inspirierende Mischung.

 

„Viele meiner Sachen wirken unspektakulär, wenn man sie einfach nur im Laden liegen sieht. Erst beim Tragen kommen sie richtig zur Geltung“, sagt die gelernte Goldschmiedin und studierte Industrie-Designerin. Ihre Kollektionen folgen keinem schnelllebigen Modetrend. Sie erzählen Geschichten, sollen zeitlos schmücken.

Dazu greift Saskia Diez Inspirationen aus dem Alltag auf. Wie Sonnenstrahlen, die reflektieren, mit Oberflächen spielen. Diese Lichtreflexe machen aus ihren Ohrringen, die aus schlichten, aneinander gereihten, polierten Silberplättchen bestehen, einen faszinierenden Hingucker. Ein Seemannsknoten brachte die Idee, Verschlungenes in Ketten und Ringe einzuarbeiten, ein Spaziergang an der Isar, Flusskiesel zu formvollendeten Manschettenknöpfen und Ringen umzuarbeiten – „jedes Stück ein Unikat“. Aus Holzperlen entstehen farbenfrohe Armbänder, Ketten oder Haargummis. Aus Bronze gegossen, erinnern ihre silber- und goldfarbenen Armbänder mit raffiniertem Edelsteinschliff an Art Déco. Genau diese Idee, den klassischen Edelsteinschliff auf andere Materialien zu übertragen, brachte Saskia Diez 2006 den Anstoß, sich mit einem eigenen Label selbstständig zu machen.

 

Die ungewöhnlichen Armbänder hatte sie ihrem Mann, Stefan Diez – einem der erfolgreichsten Möbel-Designer in Deutschland – als Dekoration für seine Ausstellung auf der Kölner Möbelmesse mitgegeben. Ein Kunde aus New York entdeckte die Stücke – und bestellte. Ihre erste Kollektion: ein Überraschungserfolg.

 

Heute finden sich in ihrem Showroom über 30 ihrer unaufgeregt aufregenden Kollektionen, die sich bis nach Paris und Tokio verkaufen. Darunter auch ein Gemeinschaftsprojekt mit ihrem Mann: Reisetaschen aus Papier. Extrem leicht und dabei äußerst widerstandsfähig, reiß- und wasserfest durch das spezielle Papier „Tyvek“, das man auch von Briefumschlägen kennt. 2010 erhielten sie dafür den „Designpreis Deutschland“.

 

Auch wenn das Konzept von Saskia Diez durch Einfachheit besticht, leicht macht es sich die 36-Jährige nicht. Immer schwingt Raffinesse mit. Stets geht es um höchste Qualität. An ihrem antiken Schreibtisch im Nebenraum des Showrooms skizziert sie ihre ersten Ideen. An der gegenüberliegenden Werkbank formt sie erste Entwürfe. „Mein Schmuck ist sehr persönlich. Jedes Stück beginnt mit einem Dialog, den ich mit mir führe“, erzählt sie.

 

Die Münchnerin hat sich mit ihrem Stil durchgesetzt, ist längst sehr viel mehr als schmückendes Beiwerk für ihren Mann, mit dem sie drei Kinder hat und der im hinteren Teil des Hauses an seinen Projekten arbeitet. Familie und Karriere, Kreativität und Bodenständigkeit. Scheinbare Widersprüche verbindet Saskia Diez gekonnt – in ihren Arbeiten genauso wie im echten Leben.

Big Opal ISAR Ring Saskia Diez in her studio in the Glockenbachviertel – here with a bracelet from the WOOD line
Erstellt am 02.12.2013 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 1652 mal gelesen
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