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Die Dinge neu denken – Industriedesigner Stefan Diez

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Ein Stuhl ist ein Stuhl. Ein schnödes Möbel zum Sitzen. Nicht aber für Stefan Diez. Zwei, drei, vier Jahre Arbeit steckt der bayerische Industrie-Designer in ein solches Sitzmöbel. „Ein Stuhl hat vier Beine, eine Rückenlehne und einen Sitz. Ich würde ihm nicht fünf Beine geben, damit er anders ist als alle anderen, und auch sonst keine Geschichten erfinden, um den Entwurf wichtiger zu machen, als er ist. Auf das Zusammenspiel aller Komponenten kommt es an“, erklärt er. „Wir versuchen, bei jedem Projekt in die Tiefe zu gehen und mehr rauszuholen, als auf den ersten Blick vielleicht möglich ist. Die Dinge neu denken – das ist mein Anspruch.“

 

Ob das nun ein Stuhl ist, eine Clip-Befestigung für Stifte, ein Küchenutensil, ein Kaminofen, eine Tasche, eine Garderobe, eine Lampe oder ein Pflanzkübel – Stefan Diez verleiht jedem Gegenstand das gewisse Etwas. Ihm gelingt der Spagat zwischen praktischem Nutzwert und sinnlicher Ästhetik. Denn bei aller Kreativität und Einzigartigkeit muss eben jedes Ding seinen Zweck erfüllen. Letztlich sollen die Menschen das Produkt kaufen, es in ihren Alltag integrieren, es mit Wohlbehagen nutzen und nicht nur ehrfürchtig entzückt bestaunen.

 

Diez gilt als einer der renommiertesten und gefragtesten Köpfe seiner Branche und erhielt bereits zahlreiche Preise, darunter den Innovations-Award der internationalen Möbelmesse Köln, den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland und den Red Dot-Award. „Der Startschuss war für mich der Gewinn der Design Report Awards 2002“, erzählt der 42-Jährige. Diese Bestätigung ermutigte ihn. Diez machte sich 2003 mit einem eigenen Designstudio selbstständig. Mittlerweile zählen Authentics, Bosch, Moroso, Thonet, Rosenthal, Bree, e15, Established & Sons oder Wrong for Hay zu seinen Kunden. Auf der weltweit wichtigsten Messe für Teppiche und Bodenbeläge, „Domotex“, in Hannover war Diez Vorsitzender der Fachjury, die im Rahmen der Innovations@DOMOTEX nach 62 ganz besonderen Neuheiten aus der Branche gesucht hatte.

 

Diez ist Denker und Macher, hat das Schreiner-Handwerk gelernt und Industrie-Design studiert, war bei Deutschlands Star-Designern Richard Sapper und Konstantin Grcic angestellt. „Bei Konstantin Grcic habe ich gelernt, dass es nicht nur darum geht, eine Antwort auf ein Problem zu finden, die schon hunderttausend Mal abgeliefert worden ist“, sagt Diez, der gerne von der Vielschichtigkeit guten Designs schwärmt und dabei sympathisch geerdet, nie abgehoben wirkt. Ein Handwerk zu lernen, könne er nur empfehlen: „Weil man dabei eine Dimension mitbekommt, die anderen Leuten fehlt, nämlich das Gespür für das Material und wie man es bearbeitet.“

 

Modische Verrücktheiten oder flüchtige Trends sucht man bei ihm vergebens. „Mir geht es darum, einfache und kluge Produkte mit hohem, innovativem Potenzial zu entwerfen. Gutes Design ist kreativ, Retro-Look ist nichts für mich. Der bringt uns nicht weiter.“ Unzählige Skizzen, Materialien sowie Modelle aus Pappe und Holz finden sich in seinem Studio, das am Glockenbach in einem Münchner Hinterhof liegt. Diez und seine Mitarbeiter nennen die Werkstatt gerne ‚Laboratorium’, wo sie stunden-, tage- und wochenlang tüfteln. Und das in familiärer Atmosphäre, schließlich lebt der Designer im Vorderhaus gemeinsam mit seiner Frau, der Schmuckdesignerin Saskia Diez. Auch sie hat dort ihre Werkstatt und ihren Showroom. Berufs- und Privatleben unter einem Dach – „das ist extrem praktisch“, sagt Stefan Diez. Obwohl die drei gemeinsamen Kinder manchmal den Eindruck haben, dass Mama und Papa gar nicht arbeiten, weil sie ja immer daheim sind. Es sind diese kleinen, liebevollen Anekdoten, die die Bodenständigkeit trotz des Erfolges erklären. Stefan Diez hat eben nicht nur für Materialien, Formen und Innovationen ein Gespür, sondern vor allem fürs Leben.

 

Stefan Diez mit seiner Frau Saskia, die erfolgreiche Schmuckdesignerin ist. Bitte zu Tisch! Stühle und Hocker: Bunt und abwechslungsreich wie das Leben. Schick und bequem: ein Sofa von Stefan Diez. Moderne Formensprache kann auch bequem sein: Sofa mit Loungechair. Stefan Diez in seinem Atelier – eher: seiner Werkstatt. Eine Lampe ist eine Lampe ist eine Lampe. Was gut aussieht, kann auch praktisch sein.
Erstellt am 05.03.2014 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 2022 mal gelesen
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