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Wie die Seele in den Gin kam – der Monkey 47

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Die Geschichte beginnt im Jahre 1902 und hat etwas von der Suche nach dem verlorenen Schatz. Eigentlich erzählt sie vom Schmieden des eigenen Glückes. Oder, um es mit Alexander Steins Worten zu sagen, über das Beseelen von Gin.

 

Ehe wir uns aber Alexander Stein und seinem Wacholderschnaps zuwenden, müssen wir etwas weiter zurückreisen. Ins Jahr 1945 nämlich. Im damaligen Juli wurde Wing Commander Montgomery „Monty“ Collins in den britischen Teil der Viersektorenstadt Berlin versetzt. Collins, geboren 1902 als Sohn eines britischen Diplomaten, wuchs in der britisch-indischen Provinz Madras auf und war schockiert vom Ausmaß der Zerstörung in Nachkriegsdeutschland. Sein Anteil am Wiederaufbau sollte eine Patenschaft für einen Javaner-Affen im Berliner Zoo sein – man ahnt, wohin der Affe läuft…

 

1951 schied Collins aus der Royal Air Force aus und zog in den Schwarzwald. Eigentlich, um das Handwerk der Uhrmacherei zu erlernen. Allein, sein Talent erwies sich als völlig unzureichend. Stattdessen eröffnete er einen Landgasthof, den er – als Reminiszenz an sein Patenäffchen – „Zum wilden Affen“ nannte.

 

Er tat dort, was viele Engländer tun, die das Empire verlassen: Sie versuchen, das Inselleben zu imitieren. Zur originalgetreuen Adaption des britischen Way of Life fehlten ihm Nebel, Linksverkehr – und Gin! Ob er sich mit dem milden Schwarzwald-Wetter schließlich anfreundete, ist nicht überliefert, es dürfte Collins aber am Ende egal gewesen sein. Denn glücklicherweise erwies sich der Schwarzwald als reich an frischem Quellwasser, Kräutern und Wacholder – den Grundzutaten für Gin. Also begann er zu destillieren.

 

An dieser Stelle, irgendwann in den 1960er Jahren, verliert sich die Spur jenes britischen Gentlemans – leider mitsamt Gin-Rezeptur. An dieser Stelle kommt dafür Alexander Stein ins Spiel. Und seine Schatzsuche, die in Wirklichkeit gar keine war.

 

Alexander Stein, in den USA Manager bei Nokia, hört im Jahr 2008 von Montgomery Collins, dessen Affen und dem verlorenen Schwarzwälder Gin. Er findet, dass das nicht das Ende sein kann. „Ein Freund hat mir die Story erzählt“, erinnert sich Stein, „und ich war sofort begeistert.“ So begeistert, dass der damals 35-Jährige kündigt und sich nach einem Destillateur umsieht, der mit ihm zusammen Gin herstellen soll. Er findet: Master Distiller Christoph Keller. Dessen Erzeugnisse ergatterten in den letzten drei Jahren weltweit über 100 Auszeichnungen, man darf ihn getrost einen der besten Europas nennen.

 

Das Duo begibt sich nur vermeintlich auf Schatzsuche. Natürlich bleibt jenes Rezept aus dem Schwarzwald verschollen, doch das findet Stein nicht sonderlich schlimm: „Unsere Rezeptur soll gar nicht wie damals schmecken. Vor 50, 60 Jahren war ja die Destillation eine ganz andere“, erklärt der Ex-Manager. Geräte und Zutaten seien heute deutlich besser. Immerhin, erzählt Stein, hätten er und Christoph Keller „historische Eckdaten“ genutzt: Notizen von Collins etwa, oder Augenzeugenberichte. Doch es entstand eine völlig neue Rezeptur, mit deutlich exotischeren Zutaten. Klar, Collins nutzte nur Kräuter, die vor seiner Haustüre wachsen. Da können Keller und Stein auf eine weitaus größere Vielfalt und bessere Qualität zurückgreifen.

 

Um die seinem Verständnis nach ideale Rezeptur zu erschaffen, einen Gin mit Seele, nahm Stein nicht nur den Top-Destillateur an Bord – er befragte überdies die Männer an der Barfront. Blindverkostungen mit Bartendern gaben wertvolle Hinweise. „Am Ende ist der Monkey 47 ein Gin geworden, in den ich mich auf den ersten Schluck verliebte“, sagt Alexander Stein. Eben kein „klassischer“ Gin, wie man ihn vor sieben Jahren noch brannte. Damals, so Stein, sei Gin unspektakulär, unaromatisch und nur als Basis für Mixgetränke gedacht gewesen. Gleichzeitig war Gin schon immer etwas Wandelbares, sein Charakter stark von der Epoche abhängig.

 

„Ich wollte weg von diesen Industrie-Gins. Als ich mit meinem handgemachten Schwarzwälder Gin ankam, erklärten mich viele für verrückt“, grinst Stein. Sein Gin sollte anspruchsvoll und komplex schmecken, wie ein edler Brand. Und als spritzig, frisch, mit gut abgestimmter Zitrusnote wird der Monkey 47 denn auch beschrieben. Zudem schmecke er feinblumig lieblich, mit leicht würziger, pfeffriger Note. Ihm wird eine gewisse Tiefgründigkeit und ausgewogene Komplexität zugeschrieben – ein charaktervolles Kerlchen eben! Das Grinsen kann sich Stein wahrlich leisten. Im Nachhinein hat er einen Trend geahnt, wenn nicht gar gesetzt. Heute ist Gin ein Hip-Getränk. Und in den letzten sieben Jahren wurden in Deutschland nicht weniger als 50 weitere, teils anspruchsvolle nichtindustrielle Gins aus dem Boden gestampft. „Irgendetwas habe ich wohl richtig gemacht“, lacht der Trendsetter.

 

Eine Tatsache, die sich erst Recht im Design widerspiegelt. Dabei täuscht der erste Eindruck. Ja, das Äffchen und das Fläschchen, die sehen schon unendlich cool und Retro aus. Doch gebührt die Ehre nicht findigen Produkt-Designern, sondern Bruder Zufall. Beim Spaziergang über einen Flohmarkt habe er ein altes Apothekerfläschchen gesehen und kurzerhand beschlossen: Aus diesem hohlen Glase soll er fließen… Bleibt die Frage nach dem Logo. Da gebahren seine Gedanken sozusagen eine Mixtur aus dem Film „12 Monkeys“ und jener Schwarzwald-Gin-Geschichte. Die 47 schließlich ist die traditionelle Trinkstärke des Gins.

 

Alexander Stein sagt: „Gin is history in a glas“. Selten ist das gleichzeitig so wahr und so unwahr wie bei diesem edlen Tropfen…

Alle Bilder: www.monkey47.com

 

Erstellt am 27.05.2015 Kategorie: Einblicke Der Artikel wurde bereits 2036 mal gelesen
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